ILLERICH.
Das Konzept "Bildung für nachhaltige Entwicklung" (BNE) der "Villa Kunterbunt"
in Illerich ist von der UNESCO als offizielles UN-Dekadeprojekt ausgewählt worden.
Kindergartenleiterin Anni Braunschädel nahm die Auszeichnung im Anschluss an die
UN-Dekade-Weltkonferenz in Bonn entgegen. Als symbolische Anerkennung brachte
Anni Braunschädel eine digitales Logo, eine Fahne, einen Stempel und eine Urkunde
mit nach Hause. "Diese Auszeichnung bringt keine finanziellen Vorteile mit
sich", erklärt die Kindergartenleiterin. Es ist vielmehr eine Anerkennung der
konsequenten Arbeit des gesamten Erzieherinnen-Teams, denn das Thema ökologische
Nachhaltigkeit zieht sich wie ein roter Faden durch den Alltag in der "Villa Kunterbunt".
In einer Kurzzusammenfassung beschreibt Anni Braunschädel, die ausgebildete Fachberaterin
für BNE ist und ihrerseits Erzieherinnen fortbildet, den äußerst komplexen Begriff
"Nachhaltigkeit" so: "Es ist die globale Herausforderung für uns alle, eine lebenswerte
Zukunft zu gestalten." Und das kann nur gelingen, wenn der Dreiklang von Ökologie,
Ökonomie und Sozialem gewährleistet ist. Natürlich kann das im Kindergarten
nicht heißen, diese komplizierten Sachverhalte und weltweiten Zusammenhänge mit
erhobenem Zeigefinger zu vermitteln, aber: "Kinder sind der Motor - ihre natürliche
Neugier, ihre Fragen und ihr Tatendrang sind der Treibstoff für eine lebenswerte
Zukunft." Deshalb steht das praktische Lernen mit Freude und allen Sinnen in der
"Villa Kunterbunt" an erster Stelle. Im Kindergartenalltag erleben die Kinder,
dass sie durch ihr Handeln etwas bewirken können. Hier nur einige Beispiele
aus dem Kindergartenalltag: Es gibt keine Vorträge über gesunde Ernährung oder
Umweltschutz, sondern Besuche auf dem Bauernhof, etwa im Kuhstall, auf dem Hühnerhof
und während der Ernte. Die Jungen und Mädchen graben und pflanzen im Garten, verbringen
ganze Tage im Wald, sammeln die Früchte der Natur und verarbeiten Gemüse und Obst
mit ihren eigenen kleinen Händen in der Küche. Die Kinder kaufen Lebensmittel
aus der Region ein und sehen, dass Produkte aus Bioläden nicht immer teurer sind.
Und im Supermarkt erleben sie, wie stark die Wirkung der Werbung ist. Beim Kochen
und Backen erfahren sie ganz nebenbei, welche Nahrung gesund ist. Gemeinsame Mahlzeiten
stehen im Mittelpunkt ihrer Spiele "als Erlebnis alle Sinne". Auch über Müllvermeidung
und Energiesparen wird nicht nur gesprochen, sondern praktiziert. Und immer wieder
geht's raus in die Natur, bei Tag und am späten Abend, zu jeder Jahreszeit, bei
Sonne, Wind und Regen. Die vielfältigen Themen der BNE sind nicht Bestandteil
eines zeitlich begrenzten Projektes, sondern bestimmen das Konzept des munteren
Lebens in der "Villa Kunterbunt", berichtet Anni Braunschädel: "Es geht auch nicht
darum, den Kindern ein schlechtes Gewissen zu machen, sondern darum, ihnen ein
positives Bild von der Welt mitzugeben." Das soll sie kompetent machen, dafür
zu sorgen, dass künftige Generationen eine lebenswerte Welt vorfinden. Brigitte
Meier (Rhein-Zeitung) | |