Zum Nachdenken...
Inhalt
Ø Nimm mich an (Zehn Bitten eines Kindes)
Ø 12 Forderungen eines Kindes an seine Eltern
Ø Kinder lernen ihr Leben
Ø Klein sein
Ø Wo Kinder sind, ist Wunderland
Nimm mich an
(Zehn
Bitten eines Kindes)
Mit
Worten, Blicken und Gesten sage ich dir, was für mein Leben,
mein Zusammensein
mit dir und anderen wichtig ist.
Mit diesen Bitten möchte ich dich ermutigen,
es mit mir und dir immer
Wieder neu zu versuchen.
Dein
Kind
1.
Nimm mich an
Sag ja zu mir im Mutterleib,
sag ja zu mir, wenn ich geboren bin.
Nimm mich an und als mich sein,
was ich bin,
ein Mädchen oder Bub.
Nimm mich an mit meinen Fehlern,
ich bin oft ungeschickt, selten böswillig.
Nimm mich an mit meiner Krankheit
oder Behinderung,
ich kann nichts dafür.
Nimm mich an,
ich bin
doch das dir anvertraute Kind.
2.
Nimm dir Zeit für mich
Ich brauche dich,
deine Pflege, deine Hilfe, deine Erfahrung,
deine
Geduld, dein Gespräch, deine Zuwendung,
je kleiner ich bin, umso mehr.
Nimm dir Zeit für mich,
aber nicht nur für mich,
du und die anderen,
ihr seid auch noch da.
Schau auf dich!
Geht es dir gut, geht es mir
besser.
3.
Lass dir Zeit
In meiner Entwicklung hat alles
seine Zeit.
Deshalb lass mich Schritt für Schritt wachsen,
dann können
wir aneinander unsere Freude haben.
Lass mich nicht Opfer deines Ehrgeizes
sein,
wenn ich so vieles lernen will und muss.
Überforderst du mich,
so werde ich störrisch und mutlos.
Unterforderst du mich, so werde ich überheblich
und aufsässig.
4.
Gib mir Raum
Verhilf mir zu einer kindgerechten
Wohnung und Umgebung,
dann haben wir es viel leichter im Miteinander.
Verhilf mir zum Mitsein und Mittun,
denn ich brauche dich und die Anderen.
Ich halte mich gern in eurer Nähe auf,
auch wenn das manchmal Unordnung
und Ungelegenheiten bringt.
Verhilf mir aber auch zur Ruhe
und einem
Platz, an dem ich ungestört spielen und arbeiten kann.
Dann lerne ich Ordnung
und Sorgfalt,
Konzentration und Ausdauer
und- wir sind beide nicht so
zappelig und nervös.
5.
Lass es mich versuchen
Lass mich Dinge kaputt machen,
ich bin um eine Erfahrung reicher.
Lass mich Fehler machen,
auch
daraus lerne ich.
Schenk mir die Freude des eigenen Erfolges,
ich brauche
ein gesundes Selbstwertgefühl.
Schenk mir dein Zutrauen,
ich kann oft
mehr, als du denkst.
Nimm mich und meine Eigenständigkeit ernst,
du
hältst mich doch.
Brich mich und meinen Willen nicht,
sonst leiden wir
später beide darunter.
6.
Sei konsequent mit mir
Verwöhnst du mich,
so schadet mir das ebenso, wie wenn du mir zuviel
versagst.
Ich kann mich dann auf dich verlassen,
ist dein ja ein ja
und dein nein ein nein.
Lass nicht zu,
dass ich euch erwachsene gegeneinander
ausspiele.
Sei konsequent mit mir vom ersten Tag an.
Dann fühle
ich mich in unserer Ordnung sicher und geborgen.
Wir haben es viel leichter
miteinander
Und wir sind beide nicht so aufgeregt und geschafft.
7.
Baue deine Vorurteile ab
Lass mich einfach Kind sein.
Zwänge mich nicht zu früh in eine Geschlechterrolle.
Auch Mädchen dürfen ungezogen und vorlaut
auch Buben dürfen wehleidig
und feige sein.
Als Jüngster möchte ich nicht immer der Kleine
sein.
Als Ältester nicht immer der Vernünftige sein.
8.
Schenk mir deine Anerkennung
Bedenke in deinen Forderungen,
was meinem Alter angemessen ist.
Fortwährend nörgelnd und schimpfend bei jeder Kleinigkeit
übersiehst
du oft mein Bemühen und das,
was ich gut und richtig mache.
Du hilfst
dir und mir mehr durch stete Anerkennung,
dein häufiges Lob, deine stärkende
Belohnung.
Die schönste Belohnung für mich ist dein Wort,
dein streicheln,
dein Ganznahsein.
Bist du böse mit mir, zeig mir spätestens beim Zubettgehen,
dass wir wieder gut miteinander sind.
9.
Lass dich beraten
Lass dich beraten bei Vorsorge-
und Beratungsstellen
Was du für mich und dich tun kannst.
Alkohol, Nikotin
und Drogen sind schon für dich nicht gut,
mir schaden sie zu jeder Zeit.
Bin ich krank, in meiner Entwicklung zurück,
in meinem Verhalten auffällig,
geh rechtzeitig zur Beratung.
Das hilft uns beiden!
10.
Schenk mir deine Zuwendung
Diese Bitte als Letztes,
weil du sie keinesfalls vergessen darfst!
Ich
brauche deine Zuwendung und Liebe!
Lass mich aus deiner Nestwärme, Geborgenheit
und Sicherheit
Zunächst zaghaft, später selbständiger
Meine Schritte
zu anderen und anderem lenken.
Schenk mir dein Vertrauen,
ich schenke
dir Offenheit und Ehrlichkeit.
Zeige
mir deine Wertmaßstäbe,
ich brauche sie als Richtschnur für mein Leben.
Zeige mir, was dein Leben erfüllt,
bist du doch mein Vorbild.
Lass mich
in Freude und Not zu dir kommen!
Zu wem sollte ich gehen,
wenn nicht
zu dir!
(nach
Manfred Hinterdobler)
12
Forderungen eines Kindes an seine Eltern
1.
Verwöhne mich nicht!
Ich weiß genau, dass ich nicht alles bekommen kann-
ich will dich nur auf die Probe stellen!
2.
Sei nicht ängstlich, im Umgang mit mir standhaft zu bleiben!
Mir ist
Haltung wichtig, weil ich mich dann sicherer Fühle.
3.
Weise mich nicht im Beisein anderer zurecht, wenn es sich vermeiden lässt!
Ich werde
Deinen Worten mehr Bedeutung schenken, wenn Du zu mir leise und unter vier
Augen sprichst.
4.
Sei nicht fassungslos, wenn ich zu Dir sage: Ich hasse Dich!
Ich hasse
nicht Dich, sondern Deine Macht, meine Pläne zu durchkreuzen.
5.
Bewahre mich nicht immer vor den Folgen meines Tuns!
Ich muss auch peinliche und schmerzhafte
Erfahrungen machen, um innerlich zu reifen.
6.
Meckere nicht ständig!
Ansonsten schütze ich mich dadurch, dass ich mich taub
stelle.
7.
Mache keine vorschnellen Versprechungen!
Wenn Du Dich nicht an Deine Versprechen
hältst, fühle ich mich im Stich gelassen.
8.
Sein nicht inkonsequent!
Das macht mich unsicher und ich verliere mein Vertrauen
zu Dir.
9.
Unterbrich mich nicht und höre mir zu, wenn ich Fragen stelle!
Sonst wende
ich mich an andere, um dort meine Informationen zu bekommen.
10.
Lache nicht über meine Ängste!
Sie erschreckend echt; aber Du kannst mir helfen, wenn
Du versuchst, mich ernst zu
Nehmen.
11.
Denke nicht, dass es unter Deiner Würde ist, Dich bei mir zu entschuldigen!
Ehrliche
Entschuldigungen erwecken bei mir ein Gefühl von Zuneigung und Verständnis.
12.
Versuche nicht, so zu tun als seist Du perfekt oder unfehlbar!
Der Schock ist groß, wenn
ich herausfinde, dass Du es doch nicht bist.
Ich
wachse so schnell auf
Und es ist sicher schwer für Dich, mit mir Schritt
zu halten.
Aber jeder Tag ist wertvoll,
an dem du es versuchst!
(Lucia
Felder)
Kinder lernen
ihr Leben
Ein
Kind,
ständig benörgelt und bekrittelt,
es lernt, andere zu verachten.
Ein Kind,
ständig der Böswilligkeit verdächtigt,
es lernt, gegen andere zu kämpfen.
Ein Kind,
ständig lächerlich gemacht,
es lernt, sich nichts zuzutrauen.
Ein
Kind,
in seinen Gefühlen beschämt,
es lernt, sich schuldig zu fühlen.
Ein Kind,
auch in seinen Unarten zu ertragen,
es lernt, geduldig zu sein.
Ein
Kind,
ermutigt zum Wagnis,
es lernt, Vertrauen.
Ein
Kind,
für seinen Einsatz gelobt,
es lernt, andere zu schätzen.
Ein
Kind,
fair als Partner behandelt,
es lernt, gerecht zu sein.
Ein
Kind,
beschützt in der Verlässlichkeit seiner Welt,
es lernt, den Glauben
an das Gute.
Ein
Kind,
angenommen in gegenseitiger Anerkennung,
es lernt, sich
für wertvoll zu halten.
Ein
Kind,
geborgen in Freundlichkeit und Zuneigung,
es lernt, die Liebe
der Welt zu entdecken.
(von
Dorothy Law Nolte)
Klein
sein
klein sein
heißt Knie wund,
klein sein
heißt Sand im Mund,
klein sein
heißt Wasser spritzen,
klein sein
heißt barfuss
flitzen,
klein sein
heißt Blumen pflücken,
klein sein
heißt Gras am Rücken
klein sein
heißt insgeheim
der Erde
etwas näher sein.
(Manfred
Sestendrup, PAUL gibt sein Bestes, Gedichte für die Welthungerhilfe)
Wo Kinder sind, ist Wunderland
Wo Kinder sind,
ist Wunderland,
meilenweit weg und gleich nebenan,
groß wie das Herz
und klein wie die Hand.
Wo Kinder sind, ist Wunderland.
Ist
plötzlich da, du brauchst nicht zu warten.
Keine Grenze, kein Zaun, keine
Eintrittskarten.
Keine Straße, kein Bürgersteig führt dich hinein.
Auf
der Landkarte fehlts. Wo mag es nur sein?
Ist
meilenweit weg und gleich nebenan,
wo niemand dich hören und sehen kann,
versteckt im Holunderbusch mucksmäuschenstill -
und da, wo das Gras
noch so wächst, wie es will.
Welche Geschichten die Vögel wohl singen?
Was schwatzende Bäche zur Sprache bringen?
Wohin weht der Wind durch die
Gräser von weit
Quer durch die Pusteblumenzeit?
Suche
dein eigenes Wunderland,
groß wie das Herz und klein wie die Hand.
Wo
du dich wundern und staunen kannst,
wird es lebendig dein Wunderland.
(Quelle unbekannt)